Online bestellen bei

Disclaimer

„Solino“ – Geschichte über Einwanderer im Ruhrgebiet

Fatih Akin inszeniert für Wüste Film und Bavaria Film
Duisburg-Hochfeld, 20. September 2001. Grauer Himmel und rußgeschwärzte Fassaden. Vor dreißig Jahren hat es überall im Ruhrgebiet so ausgesehen wie an dieser Straßenecke. Wir sind inmitten der 70er Jahre – am Set von „Solino“, der von Bavaria Film und Wüste Film koproduzierten Geschichte der italienischen Einwanderer-Familie Amato, die die erste Pizzeria des Ruhrgebietes eröffnet und über den Aufenthalt im fremden Land auseinander bricht
Regisseur Fatih Akin: „Wir haben existente Klischees über das Ruhrgebiet aus dem Bauch heraus analysiert, zerlegt und realitätsnah wieder zusammengesetzt. Dabei entstehen historische Bilder, und wir machen einen Film in der Tradition des Neo-Realismus.“ Das Team um Fatih Akin hat mehr als ein Jahr nach der passenden Location gesucht, da man bewusst auf originäre Optik setzte, anstatt mit Hilfe digitaler Effekte künstliche Realitäten zu erschaffen. Moritz Bleibtreu spielt Giancarlo, den älteren Sohn der Familie Amato. Er ist von dem eigenen, lebendigen Charme des Ruhrgebietes sehr angetan. Noch mehr fasziniert ihn aber, „dass die Geschichte aus der Perspektive der Einwanderer erzählt wird und nicht aus deutscher Sichtweise“.

Bei einem Regisseur wie Fatih Akin verwundert das nicht. Bleibtreu und Akin sind Freunde, ein eingespieltes Team. „Mit ihm würde ich auch ein Kochbuch verfilmen“, sagt der Mime, der u.a. für Akins „Im Juli“ mit dem Deutschen Filmpreis 2001 ausgezeichnet wurde. Akin wiederum kann sich auf Grund seines familiären Backgrounds mit der Geschichte der Familie Amato identifizieren. Die Produzenten der Wüste-Film, Ralph Schwingel und Stefan Schubert hatten ihn gedanklich schon besetzt, als sie Akin das Buch vorlegten. Selbst Autor, tat sich Akin zunächst mit einem Werk aus fremder Feder schwer. Aber schon nach den ersten Seiten nahm ihn der Stoff gefangen. „Ich bin sofort zu Ruth Toma und habe gesagt ,Bitte, bitte, lass’ mich den Film machen!’ So ist dies mein erster Film ohne eigenes Buch.“

Gedreht wird in Duisburg und in Italien. Der Kinostart des zehn Millionen Mark-Projekts ist für das zweite Halbjahr 2002 geplant. „Solino“ ist ein Stück deutscher Geschichte, setzt sich mit dem Thema „alte Heimat – neue Heimat“ auseinander und enthält eine „Kain und Abel“-Analogie zwischen den Brüdern Giancarlo und Gigi (Barnaby Metschurat). Die Eltern Amato werden gespielt von Antonella Attili und Gigi Savoia. Allen Beteiligten ist anzumerken: „Solino“ ist nicht nur großes Gefühlskino – das Engagement für dieses Projekt kommt aus dem Herzen. (Ger.)